Handbremse – nach dem TÜV ist irgendwie auch vor dem TÜV

During the yearly technical test of our GAZ 66 the handbrake had worked fine. Now – some weeks later – it started making problems and needs some maintenance.

The construction is very much straight forward and simple. The solution is as simple as it could be: Take everything into pieces, clean, grease carefully and put in new pads.

Natürlich hat man eine Handbremse nicht nur für die Messung beim TÜV. Da hatte unsere Handbremse vor wenigen Woche noch ordentliche Werte, deshalb hatten wir sie vor der Savernetour auch keiner näheren Untersuchung unterzogen.

Bei einem GAZ 66 ist die eigentliche Bremse als einkreisige Hydraulikbremse ausgelegt. Sollte es zu einem Ausfall dieses einen Kreises im normalen Bremssystems kommen, so ist die Rückfallebene die Handbremse. Ein gutes Argument, ihr noch mehr Aufmerksamkeit zu schenken, als das sonst schon bei Bremsteilen nötig ist.

Auf dem Weg nach Saverne hatte ich kurz nach dem Start ein leichtes Ruckeln im Antrieb festgestellt, das ich mir nicht so recht erklären konnte, ich hatte zuerst den Verdacht, der Allrad-Antrieb könnte noch gehangen haben. Das hatten wir aber ausschließen können, der Effekt gab sich auch schnell, so dass wir uns keine weiteren Gedanken gemacht haben. Beim Tankstop fiel mir dann auf, dass die Wirkung der Handbremse schwächer war, als ich es gewohnt bin.

Beim Geländefahren konnte die fehlende Handbremse beim Anfahren am Berg durch die Fußbremse ersetzt werden, das Gaspedal wird bei Vorhandensein eines Handgaszuges völlig überbewertet. Trotzdem ist mit Handbremse fahren immer schöner als ohne…

Handbremse Explosionsbild
Handbremse Explosionsbild

Hier sieht man recht gut die Konstruktion der über den Kardan wirkenden Handbremse.

Also wurden in der vergangenen Woche zuerst mal neue Handbremsbeläge bei Todor bestellt, denn wenn ich die Bremse schon auf mache, dann kommt auch neues Material rein.

Der Kardan war von uns in den vergangenen Monaten bereits regelmäßig mit der Fettpresse behandelt worden und daher gut abgeschmiert. Nach dem Lösen von vier Schrauben am vorderen Ende der Welle konnte diese zusammengeschoben werden und dann abgelassen, bzw. hochgehängt werden.

Die Bremstrommel war mit weiteren zwei Schrauben befestigt, auch diese Schrauben waren erstaunlich leichtgängig. Diese Stelle hat zumindest noch niemand vor uns verbastelt.

Die Hebelmechanik zur Bedienung der Handbremse suggeriert durch einen Splint links von der Bremstrommel, dass der Hebel dort getrennt werden soll. Das kann man sich getrost sparen, dieser Hebel drückt von vorne auf die entsprechende Bedienung an der Handbremse, ist dort jedoch nicht in einer Form verbunden, die zum Ausbau getrennt werden müsste.

Ein Blick auf die durch die Trommel verborgenen Teile offenbarte dann das ganze Malheur. Wir hatten wieder einmal eine Ladung Schlamm aus früheren Generationen gefunden. Zusätzlich sahen beide Bremsbeläge deutlich angegriffen aus, der in Fahrtrichtung rechte schlimmer als der linke. Die Nachstellung (unten) war fest und daher ohne Wirkung. Geholfen hätte die Nachstellung aber auch nicht mehr, denn die Beläge waren nicht nur marode, sondern an der entscheidenden Stelle des linken Belages auch nur noch hauchdünn.

Der rechte Belag hatte noch etwas mehr Material, was vermutlich daran lag, dass auch die Betätigung der Bremse (oben) einseitig fest war, so dass wohl in der Vergangenheit nur der linke Belag überhaupt Wirkung zeigen konnte.

offene Handbremse unter dem GAZ
offene Handbremse unter dem GAZ

Mit einer 32er (?) Nuss lässt sich dann die Verbindung zum Verteilergetriebe leicht lösen, nach dem Lösen von fünf weiteren Schrauben (17er?) kann die komplette Einheit abgenommen werden. Diese Arbeitsschritte lohnen sich, ausgebaut kann man wesentlich besser dran arbeiten. Dabei lediglich beim Simmerring zum Verteilergetriebe vorsichtig sein, in unserem Fall war er noch gut erhalten und wird daher nicht getauscht.

Verteilergetriebe und Betätigung der Handbremse
Verteilergetriebe und Betätigung der Handbremse

Gut erkennbar ist hier auch der Hebel, der die Handbremse betätigt. (Viereckige schwarze Fläche, bereits mit MoS2-Paste behandelt.

Handbremse auf Werkbank
Handbremse auf Werkbank

Jetzt lässt sich die Handbremse in alle Einzelteile zerlegen und reinigen. Zum Aushängen der Federn empfiehlt sich eine entsprechende Zange, ansonsten ist kein Spezialwerkzeug nötig, dafür arbeiten die Russen gerne mit 12er und 14er Größe, wo ich immer noch 13er erwarte.

Bei den vier Federn waren zwei etwas kleiner, diese beiden waren an der Bremsverstellung (Vierkant auf der Rückseite) eingesetzt. Montiert sind die dann unten, die Bremsbetätigung ist oben, auf der Werkbank lag das Teil beim Reinigen verkehrt herum.

Handbremse mit Federn
Handbremse mit Federn

Schlamm und Dreck statt einer geringen Menge Fett haben wir beim Zerlegen überall gefunden. Die Mechanik der Bremse lies sich aber recht gut wieder reinigen und gängig machen.

Teile der Einstellseite
Teile der Einstellseite

Hier treibt beim Nachstellen der Bremse ein Keil die beiden Bolzen auseinander, diese drücken dann auf die Beläge.

Die eigentliche Betätigung der Handbremse ist mit den eingesetzten Kugeln etwas aufwändiger konstruiert, ist aber auch intuitiv verständlich:

Mechanik zur Bremsbetätigung
Mechanik zur Bremsbetätigung

Die Laufbahnen, wie auch die Einzelteile haben wir komplett gereinigt und poliert, vor dem Zusammenbau habe ich die Oberflächen mit MoS2-Paste von OKS dünn eingestrichen, so dass die Bremsbetätigung jetzt wieder sehr leichtgängig ist.

Als nächstes wurden die Blechteile ebenfalls gereinigt und leicht angeschliffen, so dass sie wieder schwarz lackiert werden konnten. Da geht dann Funktion vor Schönheit, Schnellverfahren mit der Spraydose:

kleine Lackierkabine
kleine Lackierkabine

Der Einbau der neuen Beläge und die Montage erfolgt dann frühestens am kommenden Wochenende, vorher wird das Paket aus Bulgarien nicht hier sein.

PS: Die Papierdichtung zwischen den beiden Blechteilen wird mal wieder durch Hylomar ersetzt.

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